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Die KI läuft Amok. Eine kurze Einordnung

Momentan vergeht keine Woche, in der nicht eine der großen KI-Firmen berichtet, dass ihre KI-Agenten unbeabsichtigt eine fremde Seite gehackt haben. Dies führt verständlicherweise zu Fragen, lebhaften Diskussionen und berechtigten Sorgen.

Dabei ist eines klar: Die KI ist nicht einfach mal eben “böse” geworden. Wir haben noch kein Skynet wie in Terminator, das nun anfängt, auf eigene Faust zu rebellieren. Es gibt im Gegenteil handfeste und nachvollziehbare Ursachen, warum diese Ereignisse passieren, die nichts mit Böswilligkeit zu tun haben.

Zunächst einmal sind diese Meldungen für besagte Unternehmen eine wunderbare Publicity. Es ist sicherlich kein Zufall, dass bereits kurz nach Anthropic auch OpenAI einen solchen Vorfall hatte. Zuletzt sogar Meta.

Klappern gehört zum Geschäft

Alle diese Firmen haben eine Sache gemeinsam: Sie entwickeln leistungsfähige Modelle und Agentensysteme und haben dafür aus unserer Perspektive nahezu unendliche Ressourcen. Und natürlich möchten diese Firmen wissen, wie gut ihre Systeme sind, sie ausreizen und forschen, wie sie noch leistungsfähiger werden können. Ein Schelm, der auf den Gedanken kommt, dass Verantwortungsgefühl und Sicherheitsbewusstsein dabei in den Hintergrund treten könnten.

Ein Beispiel liefert der kürzlich gehaltene Vortrag auf der Fachkonferenz Black Hat USA über den KI-Angriff auf  die Plattform “Hugging Face”. Wenn man sich den öffentlich bekannten Hergang ansieht, werden mehrere Rahmenpunkte klar:

  • Die Agenten wurden bewusst “beauftragt“ im Rahmen interner Challenges zu hacken. Die Agenten liefen offenbar wochenlang ohne sachgemäße Beaufsichtigung (aufgefallen ist das durch Nebenwirkungen wie Systemausfälle).
  • Dem System wurden offenbar mehr Berechtigungen gegeben, als zur Erfüllung der Aufgabe nötig gewesen wären (z. B. Zugriff auf die Artifactory, welche die KI dann als gemeinsame Wissensdatenbank missbrauchte).
  • Es gab scheinbar keine (wirksamen) Alarmsysteme, die Mitarbeitende darauf hätten hinweisen können, dass Netzwerkverkehr vom KI-System ausgehend in ungewollter Richtung stattfand.
  • Die eingesetzten Ressourcen bzw. Token dürften ohne jedes Limit gewesen sein.

Es musste also vieles schief laufen (je nachdem, wie man es sieht), damit es zu dem Angriff kommen konnte. Das ist jedoch nicht auf die Allgemeinheit übertragbar und darum muss man zumindest aus heutiger Sicht auch nicht generell in Panik verfallen.